DIE AUBERGINE – eine langweilige Frucht oder eine spannende Geschichte, die in Indien ihren Anfang nahm

AUBERGINEN – herrlicher Spätsommer und plötzlich wurde es Winter. Zumindest vom Licht her. Draußen schüttet es aus Kübeln. Im benachbarten Schwarzwald gab es schon den Rekord von 105 Litern/m². Hier im Lössvorland, im Weinland Breisgau, ist es nicht ganz so schlimm. Das schöne ist, bei so einem Wetter lässt es sich herrlich kochen und recherchieren. Über Gemüse, klar. Auch über Suppenfleisch und Tafelspitz – über die Wurzeln und Wurzelgemüse.

Doch vor zwei Wochen war es noch nicht Winter, es war Sommer: Und ich habe auf dem Markt ein paar schöne Auberginen gekauft, Demeter, also nicht perfekt vom Aussehen, aber dadurch für mich perfekt zum Fotografieren (ich merke gerade, das ist schon vier Wochen her?). Aus „mal kurz Rezepte suchen“ wurden Tage der Recherche. Bücher wälzen. Wie schön, dass ich alte Bücher habe. Kochbücher. Gartenbücher. Bücher über „Alte Gemüse“. Und da steht, dass die Aubergine schon 1200 v. Chr. in Sanskrit Texten erwähnt wurde. Sie war eine Heilpflanze im alten Indien. Ayurveda? Das ist spannend. Welche Aubergine, die unsere? Melanzani, Melanzane? Ich lese weiter: es war ein stachliger Vorläufer mit kleinen weißen Früchten: Solanum indicum. Früchte weiß wie Hühnereier „Eggplant“. Ihre ursprüngliche Herkunft war also das tropische westliche Indien, Kambodscha, Vietnam bis Südchina. Kein Wunder, dass die Aubergine den wärmsten Platz im Garten liebt, nur feucht muss er sein, zu trocken geht auch nicht. Tropisch also. Über Indien, Persien kam die Aubergine schließlich mit arabischen Händlern, den Mauren oder Sarazenen, nach Andalusien und von dort nach Sizilien. Da bin ich jetzt bei meinen Rezepten: Melanzane alla parmigiana oder ‚al Forno‘ mit Mozzarella. Und bei ‚al forno‘ bin ich ganz schnell bei den über Feuer gerösteten Auberginen, für Baba Ganoush und dann genauso schnell bei Yotam Ottolenghi, war ja klar.

Gleichzeitig musste die Botanikerin in mir nerdig wissenschaftliche Studien wälzen, Originalquellen suchen. Stimmt das, was da steht: “1200 vor Christus“? Wo haben die Autoren das her? Wer ist wirklich der wilde Vorfahr der Aubergine, noch andere werden erwähnt. Was meinen die mit Mauren, Sarazenen? Araber? Und was ist mit der persischen Küche? Okay, warum daraus nun vier Wochen und über 14.000 Zeichen wurden, klar. Die verkürzte Fassung mit ganz vielen Bildern kommt in meinen Wiesengenuss-Blog, das liest sich dann leichter. Das ganze Recherche-Ding kommt in meinen Cloudordner. Und die Bilder auch. Falls ich es mal für einen Artikel brauche. Doch aktuell geht es erstmal weiter mit Puntarelle und Berberitze, sind schon gedruckt – der Winter naht.

Doch während ich alte Bücher und Internetseiten wälze, hat Ole von Nimmersatt schon längst sein, wie er schreibt: „veganes wildheißes Aromenwunder“ veröffentlicht. Die ehemals so langweilige (wie sie uns bisher erschien) Aubergine in eine Ratatouille auf Weltreise verwandelt. Dazu noch Berberitzen und Sumach. Ich leg mich nieder…. und lese jetzt mal weiter…. dort.

Ich sehe schon, die öde Aubergine füllt noch ganze Bücher. Welche Rezepte kennt ihr noch mit dieser wundervollen Frucht? Schreibt gerne in die Kommentare. Das würde mich freuen.

2 Antworten auf „DIE AUBERGINE – eine langweilige Frucht oder eine spannende Geschichte, die in Indien ihren Anfang nahm“

Schreibe einen Kommentar

Entdecke mehr von WIESENGENUSS

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen