Diesen Monat freue ich mich ganz besonders auf das Thema der Kulinarischen Weltreise: Syrische Küche!
Was wird in Syrien gekocht? Wie schmeckt das Land, das einst die Wiege so vieler Kulturen war? Die Recherche war diesmal viel mehr als bloß kulinarisch – es war eine Reise durch Geschichte, Geografie und persönliche Erinnerungen. Vom Mittelmeer über die Levante bis zum Euphrat. Von der fruchtbaren Küste hinein in die endlosen Weiten der Wüste. Was für ein riesiges, vielfältiges Land!
Zerstörte Tempel, Kreuzritterburgen, griechische Säulen mitten im Sand – und ein geheimnisvolles Schloss namens Jaabar, das im Lake Assad liegt. Nein, den Mann, der diesem See seinen Namen gab, möchte ich nicht erwähnen. Möge er bald nur noch Geschichte sein – und das Land wieder aufblühen.
Mit Syrien habe ich nun schon lange eine Verbindung. Manchmal schwierig, traurig, aber auch schön. Die erste Verbindung kam über zwei meiner Schüler, ein Brüderpaar an der Montessori Schule, an der ich vor einigen Jahren arbeitete. Sie waren Christen, die schon früh aus Syrien fliehen mussten und deren Eltern ein wundervolles Restaurant in Mannheim betrieben. Die Speisen, ein orientalischer Traum! Später kamen immer mehr syrische Jugendliche dazu, Flüchtlinge, teilweise traumatisiert und völlig durch den Wind – in unseren Klassen. Die Geschichte, die Zerstörung von Aleppo berührte mich am meisten und wie ein Schüler das in Bildern beschrieb, ein besonders begabter Künstler übrigens. Was ist aus ihm geworden? Und wieder habe ich eine syrische Schülerin, die ich nun weg von der Schule beim Fernabitur begleite. Sie ist unglaublich fleißig, lernt viel, teilweise unter schwierigen Bedingungen. Syrien berührt mich sehr. Auch, wenn es immer wieder negative Nachrichten gibt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Syrien ein großes Land mit einer wundervollen Geschichte, ich hoffe, sie werden es schaffen!
Zurück zur Küche des Landes. Syrien! Es ist Ostern, ich habe Lamm gekauft. Diesmal soll es nach syrischer Art zubereitet werden. Die Gewürze orientalisch warm, nicht scharf – und eine geheimnisvolle Gewürzmischung namens Bahrat. Es vereinen sich Orient und Okzident. Verlief die Seidenstraße durch Syrien? Eine Gewürzhandelsstrecke ging sicherlich von Indien nach Jerusalem. Mir fallen die Assyrer ein…


Jetzt aber in die Küche! Ich habe ein syrisches Rezept erfunden. Ich vermute, es ist nicht ganz original, doch wie in so vielen Ländern, was ist schon original? Vor allem in seinem so riesigen Land. Das Rezept orientiert sich an den Zutaten, die ich zuhause hatte und an Ideen, die mir dazu noch einfielen – und hier ist es:
Geschmorte Lammhüfte mit Bahrat, Datteln und Granatapfel
لحم فخذ مطهو بالبهارات مع التمر ودبس الرمان
Lahm fakhidh mathhou bil-baharat ma‘ at-tamr wa dibs ar-rummān
(wörtlich: „Geschmorte Lammhüfte mit Gewürzen, Datteln und Granatapfelsirup“)
Ein syrisch inspiriertes Schmorgericht – warm, aromatisch und fein süßlich.
Zutaten (für 3 Personen):
800 g Lammhüfte, in größere Würfel geschnitten
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
2 Knoblauchzehen, zerdrückt
3 EL Joghurt
1 EL Zitronensaft
2-3 TL Baharat (siehe unten)
1 TL Paprika edelsüß
1 kleine Zimtstange (Ceylon-Zimt)
3 EL Granatapfelsirup
6-8 Datteln, entsteint und grob gehackt
Salz, schwarzer Pfeffer
2 EL Olivenöl
Ca. 200 ml Wasser oder leichte Brühe
geröstete Mandeln oder Pinienkerne, frische Petersilie oder Minze zum Bestreuen

Baharat
2 TL schwarzer Pfeffer
4-6 Kardamom
1 TL Piment
1 TL Ceylon-Zimt
½ TL Muskatnuss
½ TL Nelken
alles zusammen im Mörser zerstoßen, die Schalen des Kardamoms und die Nelkenstiele entfernen
Zubereitung:
Lamm mit Joghurt, Zitronensaft, Baharat, Paprika, Salz, Pfeffer und 1 EL Olivenöl vermengen und mindestens 1 Stunde (oder über Nacht) kalt stellen.
Fleisch in Olivenöl rundum kräftig anbraten, dann herausnehmen.
Zwiebeln glasig dünsten, dann Knoblauch, Datteln und Salzzitronenschale zugeben und kurz mitrösten.
Zimtstange und Granatapfelsirup zugeben, mit ca. 200 ml Wasser oder Brühe ablöschen.
Fleisch zurück in den Topf geben und bei kleiner Hitze oder im Ofen bei 150 °C ca. 45–60 Minuten schmoren, bis es zart ist.
Zimtstange entfernen. Mit frischen Kräutern und gerösteten Nüssen servieren. Nach Belieben mit zusätzlichem Granatapfelsirup abschmecken.

Hier die Liste der anderen Mitreisenden und ihren hinreißenden Rezepten:
(Sie werden im Laufe des Monats noch weiter ergänzt)
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Zahraa Harra – Gerösteter Blumenkohl vom Blech mit Tahinisauce und Korianderöl
Susanne von magentratzerl mit Makmur: Weißkohl mit Reis
Regina von Bistroglobal mit Fatayer – Syrische Teigtaschen mit Spinatfüllung
Simone von Zimtkringel mit Bazarek – syrische Sesamkekse
Britta von Brittas Kochbuch mit Shawarma – Syrisches Streetfood und Fassuliye bi Zet – Grüne Bohnen
Friederike von Fliederbaum mit Harrah Esbao – Linsen mit Nudeln
Sylvia von Brotwein mit Shakriyeh – Fleisch in Joghurtsauce



Das liest sich ganz wunderbar und trifft meinen Geschmack voll!
Dein Lammgericht mit den Gewürzen spricht mich sehr an! Meine heurige Oster-Lammkeule habe ich „herkömmlich“ geschmort, ich nehme mir deine Ideen gerne für die nächste mit!
Berührend, was du über deine SchülerInnen schreibst. Es ist immer dasselbe, „man“ sieht meist nur die Masse an Flüchtlingen und nicht die einzelnen Menschen.
Syrien mit seinen Landschaften, Kultur und der reichen Geschichte wäre sicher eine Reise wert (gewesen oder irgendwann wieder). Lg
Danke! Ja, das wäre ein interessantes Land. Wo sich Orient und Okzident vermischen. Vor allem auch die Levantinische Küche interessiert mich sehr. Bin gespannt auf deine Linsen Nudeln.
Liebe Ute, Deine Lammhüfte klingt ganz wunderbar; ich rieche und schmecke die tollen warmen Gewürze.
Und danke für Deinen Erfahrungsbericht.
Liebe Grüße
Britta
Das freut mich, und nun lese ich mich in deine köstlichen Rezepte ein.
Liebe Ute, Deine Lammhüfte klingt ganz wunderbar; ich rieche und schmecke die tollen warmen Gewürze.
Und danke für Deinen Erfahrungsbericht.
Liebe Grüße
Britta
Erfunden oder nicht – es liest sich wunderbar. Und danke auch für Deine Erfahrungen.
Lamm liebe ich sehr und mit dieser Gewürzmischung liest sich das köstlich. Das Gericht werde ich bestimmt mal ausprobieren.
Viele Grüße Sylvia