VOGELMIERE – ein zartes Wildkraut aus dem Garten und Weinberg

Stellaria media

Im März zeigt sich in Gärten, Weinbergen und auf frisch umgegrabenen Beeten oft das erste frische Grün: die Vogelmiere. Für viele ist sie ein gewöhnliches „Unkraut“. Für mich gehört sie zu den ersten essbaren Wildkräutern des Jahres – zart, saftig und mit einem überraschend feinen Geschmack.

Frisch gepflückt schmeckt die Vogelmiere nach Zuckererbsen oder jungem Mais. Ihr mildes Grün passt hervorragend zu Frühlingsgerichten. Besonders gerne verarbeite ich sie zu einem Pesto, das mit Parmesan, Olivenöl und einem Spritzer Limette ein wunderbar frisches Aroma bekommt.

Mit ihren kleinen weißen Blüten gehört die Vogelmiere außerdem zu den Pflanzen, die fast das ganze Jahr über blühen können. Wer genauer hinschaut, erkennt schnell die besondere Form dieser Blüten: Die scheinbar zehn Blütenblätter sind eigentlich nur fünf – sie sind so tief eingeschnitten, dass sie wie kleine Sterne wirken. Daher auch der botanische Name Stellaria, vom lateinischen stella für Stern.


Vorkommen und Geschichte

Die Vogelmiere ist ein sogenannter Kulturfolger. Archäobotanische Funde zeigen, dass sie schon mit den ersten Ackerbauern der Jungsteinzeit nach Mitteleuropa kam. Seit etwa 10.000 Jahren begleitet sie den Menschen.

Heute wächst sie praktisch überall:

  • in Gärten und Gemüsebeeten
  • an Ackerrändern
  • zwischen Rebzeilen
  • auf Komposthaufen
  • in Blumenkästen und Pflanzkübeln

Sie bevorzugt feuchte, stickstoffreiche Böden und erscheint besonders schnell auf frisch umgegrabener Erde. Dadurch gilt sie in der Landwirtschaft als typisches „Beikraut“. Gleichzeitig lässt sie sich sehr leicht entfernen – oder eben ernten.

Botanisches Portrait

Die Gewöhnliche Vogelmiere (Stellaria media) gehört zur Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Der botanische Name Stellaria bedeutet „sternartig“ und bezieht sich auf die charakteristischen Blüten.

Die fünf weißen Blütenblätter sind so tief eingeschnitten, dass sie wie zehn kleine Strahlen wirken – ein winziger weißer Stern über dem frischen Grün.

Typisch für die Pflanze sind ihre zarten, kriechenden Stängel, die sich rasenartig ausbreiten. An ihnen sitzen kleine, eiförmige Blätter mit einer feinen Spitze. Zieht man einen Stängel vorsichtig auseinander, zeigt sich im Inneren ein elastischer Faden – ein Merkmal, an dem sich die Pflanze gut erkennen lässt.

Volkstümliche Namen sind unter anderem:

  • Hühnerdarm
  • Mäusegedärme
  • Vogel-Sternmiere

Der Name „Hühnerdarm“ spielt wahrscheinlich auf die dünnen, gebogenen Stängel an – während der Name Vogelmiere darauf hinweist, dass auch Vögel dieses Kraut sehr gern fressen.


Ernte

Vogelmiere wächst fast das ganze Jahr über, solange die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen.

Die Hauptsaison liegt jedoch im Frühjahr, wenn die jungen Triebe besonders zart sind.

Geerntet wird einfach:

  • die ganze Pflanze abschneiden oder abzupfen
  • nur die oberen, frischen Triebe verwenden

Inhaltsstoffe und Wirkung

Obwohl sie unscheinbar wirkt, ist die Vogelmiere ernährungsphysiologisch bemerkenswert.

Sie enthält unter anderem:

  • Vitamin C
  • Vitamin A
  • Vitamine der B-Gruppe
  • Kalium
  • Saponine
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe

Bereits etwa 50 g frische Vogelmiere können einen großen Teil des täglichen Vitamin-C-Bedarfs decken.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird ihr eine

  • kühlende
  • entzündungshemmende
  • leicht adstringierende
  • schleimlösende

Wirkung zugeschrieben.

Äußerlich wurde Vogelmiere früher auch bei Hautreizungen oder Juckreiz verwendet. Verantwortlich dafür sind vor allem die enthaltenen Saponine und Flavonoide.


Vogelmiere in der Küche

Kulinarisch gehört Vogelmiere zu den mildesten Wildkräutern. Anders als viele andere Wildpflanzen hat sie keine Bitterstoffe und kann daher auch in größeren Mengen verwendet werden.

Typische Verwendungen sind:

  • Wildkräutersalat
  • Frühlingssuppen
  • Kräuterbutter
  • Smoothies
  • grünes Pesto

Der Geschmack ist frisch, leicht süßlich und erinnert an junges Gemüse. Besonders im zeitigen Frühjahr ist sie oft das erste frische Grün aus der Natur.

Eine besonders schöne Art, Vogelmiere zu verwenden, ist ein Wildkräuterpesto. In Ligurien wird Pasta traditionell mit Pesto, Kartoffeln und grünen Bohnen serviert – eine Kombination, die erstaunlich harmonisch ist.

Hier ersetzen wir Basilikum durch Vogelmiere.


Rezept

Pasta mit Vogelmierenpesto

Im Frühling variieren wir die klassische ligurische Kombination aus Pasta, Kartoffeln und grünen Bohnen – nur dass wir statt Basilikum Vogelmiere verwenden.

Die italienische Kochbuchautorin Marcella Hazan beschreibt diese Kombination so:

„In Genua ist es üblich, zu Pesto und Pasta auch noch gekochte Kartoffeln und grüne Bohnen hinzuzufügen. Wenn alle Zutaten perfekt zubereitet sind, gibt es kaum ein köstlicheres Pastagericht.“


Zutaten

für 4 Portionen

Vogelmierenpesto

150 g frische Vogelmiere
2 EL geröstete Pinienkerne
150 g geriebener Parmesan (Grana Padano oder Parmigiano Reggiano)
2 Knoblauchzehen
ca. 100 ml Olivenöl extra vergine
1 TL Meersalz
Saft von ½ Limette

Pasta ligurischer Art

400 g Pasta (Spaghetti, Spaghettini oder Tagliatelle)
200 g grüne Bohnen
400 g kleine neue Kartoffeln


Zubereitung

Die Vogelmiere waschen und trocken schütteln. Mit Knoblauch, Pinienkernen, Parmesan und Olivenöl im Mixer oder Blitzhacker zu einem Pesto pürieren. Mit Salz und Limettensaft abschmecken.

Die Kartoffeln in der Schale kochen, anschließend pellen und in Stücke schneiden. Die Bohnen in Salzwasser kurz garen, sodass sie noch bissfest bleiben.

Die Pasta in reichlich Salzwasser nach Packungsangabe kochen. Etwas Kochwasser aufbewahren. Die Nudeln abgießen und in einer großen Schüssel mit dem Pesto mischen. Falls das Pesto zu dick ist, mit etwas Nudelwasser verdünnen.

Mit Bohnen und Kartoffeln mischen und auf vorgewärmten Tellern servieren. Zum Schluss noch etwas frisch gehobelten Parmesan darüber geben.

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