CHICKEN SAAG mit frischem SPINAT, MINZE- und ein wenig Ayurveda

Untertitel – „Indisch Essen in Gengenbach oder als ich dem Kellner zu viel Trinkgeld gegeben habe“. Benebelt und euphorisch vom ‚Chicken Saag‘ – oder eher von den Gewürzen darin!? Nicht das erste Mal, dass mir das passiert ist. Völlig high vom indischen Essen. Grüne Kräuter und Spinat, chilischarf. Dazu Minze, Korianderkörner, Kurkuma, Chili – und Kardamom, der wars! Und dann noch das Glas Sekt dazu, na wenn schon „Wild“ draufsteht… Feinste Drogen (womit ich natürlich den Apothekerbegriff meine für getrocknete Kräuter, nicht ‚weed‘, sondern ‚wild herbs‘ ^^). Und das Ganze ergab ein grün-kräutrig-würziges Hähnchengericht, wie für mich geschaffen. Alles zu einer feinen köstlich duftenden Paste gemixt. Dazu noch eine zauberhafte Deko mit Rote Bete Streifen und Koriandergrün. Mit einem frischen warmen und buttrig-weichem Naan Brot als Beilage. Soooo köstlich war das. Das muss ich nachkochen! Jetzt brauche ich nur noch das Rezept.

In meinem über 800 Seiten starken und 1,5 kg schweren Wälzer „INDIEN“ von Pushpesh Pant finde ich es leider nicht und auch nicht bei Camellia Panjabi in 50 Great Curries of India. Im ersteren Buch ist vielleicht ähnlich das ‚Hare Masale ka Murg‘ (Hähnchen in grüner Kräutersauce von Seite 521) mit Koriandergrün und Minze oder – ich schaue mal unter Spinat nach – Lamm mit Spinat und Dill vielleicht? Bei Camellia Panjabi heißt es ‚Palak Gosht‘ und kommt aus Punjab. Ein Spinatcurry (Baghare Bhaji) finde ich noch, vegetarisch und weitere mit Gemüse und ein Hähnchen mit Sauerampfer (Gongura Chicken), auch sehr interessant. Vielleicht noch ein Sabzi, das persisch-indische Gericht mit den vielen Kräutern? Was ich finde, sind wundervolle grüne und scharfe Hähnchengerichte mit Blättern und Kräutern, die auf jeden Fall alle nachkochenswert sind, dafür hat sich das Kochbuchwälzen schon mal wieder gelohnt. Aber, wie sich dann herausgestellt hat, ich habe unter dem falschen Namen nachgesehen.

Die Rezeptsucherin again

Auf meiner Internetrecherche fand ich ein Rezept bei Tina Foodina, sie schreibt: „Saag Chicken ist ein nordindisches Gericht mit „Blattgrün“ = Saag. Du findest es oft auch als Sagwala Chicken, Sagwala Murgh (Huhn), Saag Murgh auf Speisekarten oder auch in Kochbüchern.“ Aha, also nächstes Mal unter ‚Sagwala‘ nachsehen. Sie schreibt weiter „Meist wird es mit Spinat gekocht, aber auch anderes Blattgrün geht. In Indien wohl weitverbreitet ist Senfgrün, das hier nicht so leicht zu bekommen ist. Ich habe letztes Jahr einfach ein paar Senfkörner in die Erde geworfen, Wochen später das Senfgrün geerntet und einen Teil davon eingefroren. Probier es aus, auch wenn du wie ich nicht grade mit einem grünen Daumen gesegnet bist. Es ist wirklich leicht und schmeckt auch gut, etwas würziger als Spinat. Du kannst sicher auch Spinat nehmen, haben wir ja früher auch getan.

Also nachgekocht nach dem Gedächtnis und nach Tina, mit ein wenig Pushpesh Pant darin und MINZE dazu und MELISSE. Die Kräuter – meine Erfindung. Hat was mit Ayurveda zu tun. Grundzutat für (m)ein leckeres ‚Chicken Saag‘ wird außer dem Hähnchen ein kräftig grüner und frischer Spinat. Kleine Blättchen, Bio klar. In Indien wird Malabar Spinat verwendet, lese ich oder Amaranth. Das macht mich neugierig natürlich. Den Amaranth als Wildspinat habe ich ja schon mal in einem Kräuterportrait verewigt. Aber Malabar-Spinat kenne ich nicht. Noch nicht, aber bald. Wikipedia sei Dank. Übrigens botanisch aus meiner Sicht gesehen, eine hervorragende und sehr gut recherchierte und wissenschaftlich fundierte Quelle. Hier zu finden unter Indischer Spinat.

Weiter mit den Kräutern und ein wenig ayurvedischen Hintergedanken

Die Ayurvedische Küche kennt sechs Geschmacksrichtungen: süß, salzig, sauer, bitter, würzig und herb. Was dem Gericht meiner Ansicht nach noch fehlt, ist ein Säure- oder Frischekick. Da ich gerade frische Zitronenmelisse aus dem Garten geerntet habe (im November, jaja) und eine Pfefferminze im Topf dastehen habe, kommen die noch rein. War Pfefferminze nicht auch im Restaurant mit dabei? Dazu noch Schmand, statt Milch wie im Rezept. Der gibt auch noch eine feine Säure und sorgt für eine sämige Konsistenz der Sauce. Den frischen Jungspinat habe ich kurz blanchiert, die Zitronenmelisse und die Pfefferminze gab es noch obenauf. Nicht gekocht, aber kurz mit gedünstet. Alles in der Küchenmaschine fein hacken und – ganz wichtig – das grüne frische Grün, sprich der Spinat und die Kräuter, kommt erst ganz am Schluss zum Chicken Saab. Also kurz vorm Servieren.

Das Chicken wird mit einer guten Portion ‚Kashmiri Mirch‘ und Kurkuma mariniert. Und erstmal ne Stunde beiseite stehen gelassen. Währenddessen ist Zeit alles andere vorzubereiten, die Zwiebel-Knoblauch-Paste, den Ingwer fein schnippeln und die köstlichen Gewürze wie Kurkuma, Garam Masala, Koriander, Kardamom mit ein paar Nelken mörsern. Allein schon dieser Duft wieder! Ich bin mir sicher, dass die Aromen dieser frisch gemahlenen Gewürze allein schon heilsam sind. Ayurveda Kur in der Küche.  

Tipp: das Rezept ist zwar für vier Personen, wir essen aber nur zu zweit, weshalb ich die Portionen so berechnet habe, dass man mindestens zwei Mal davon essen kann oder noch etwas davon einfriert.

Indisch Essen in Gengenbach. Foto (c) Michael Ruppert

CHICKEN SAAG mit Minze

ZUTATEN für 4 Personen

  • 1 kg Hähnchenbrustfilet, in mundgerechten Stücken
  • 2 TL Chilipulver (Kashmiri Mirch)
  • 2 TL Kurkuma, gemahlen
  • Für die Sauce
  • 300 g junger Blattspinat, blanchiert und fein gehackt
  • 2 EL Knoblauch- und Zwiebeln (als Paste)
  • 1 EL Ingwer (fein gehackt)
  • 480g pürierte Tomaten (Pelati, Schältomaten)
  • 4 EL Schmand (oder Milch)
  • 1 – 2TL Koriandersaat, gemahlen
  • 1 -2 TL Kurkuma, gemahlen
  • 4 – 5 Kardamomkapseln, grün
  • 2-3 Nelken
  • 1-2 TL Garam Masala
  • 1 TL Salz
  • 3 EL Ghee (Butterschmalz oder Öl)
  • Ein paar Blättchen Minze und Zitronenmelisse zum Abrunden
  • 1 EL Butter

Zubereitung

Die Hähnchenwürfel mit Chilipulver und Curcuma einreiben und etwa eine Stunde Marinieren.

Den frischen Blattspinat in gesalzenem Wasser blanchieren und mit ein wenig Kochwasser in der Küchenmaschine fein hacken. (mein Trick für mehr Frische: ich habe ein paar Zitronenmelisse- und Pfefferminzblättchen ins Kochwasser gegeben.)

Eine Zwiebel und 3-4 Knoblauchzehen mit 1 TL Salz zur Paste pürieren.

Den Ingwer fein hacken. Die Gewürze mörsern. Die Mengenangaben sind „so nach Gefühl“ und Geschmack. Ich verwendete beispielsweise gehäufte Teelöffel von jedem Gewürz.

In wenig Öl braten, bis es leicht gebräunt ist. Danach das Fleisch aus der Pfanne nehmen, zu dem Öl die Ingwerpaste, die Knoblauchpaste und die Zwiebeln geben und glasig anschwitzen.

Jetzt die pürierten Tomaten, Salz, und die gemörserten Gewürze zugeben und je nach Konsistenz Tomatenmark oder noch etwas Wasser darüber geben.

Für 10 Minuten auf mittlerer Hitze köcheln. Danach die Hähnchenwürfel und die Milch zugeben und köcheln bis es durch ist.

Dann den Spinat zugeben und nochmal kurz köcheln lassen. (Tipp von Tina Foodina: noch ein EL Butter unterrühren). Mit etwas Garam Masala abschmecken und mit ein paar Minzblättchen oder Koriandergrün servieren.

Gewürze mörsern. Koriander, Kurkuma, Kardamom, Nelken

Sechs Geschmackstypen und ein wenig Ayurveda

Die Indische Küche kennt sechs Geschmacksrichtungen: süß, salzig, sauer, bitter, würzig und herb (zusammenziehend, adstringierend). Diese Kategorisierung ist dem Ayurveda zuzuordnen, der indischen Lehre von Körper und Geist. Laut Ayurveda muss eine gute Speise all diese Geschmackstypen aufweisen. Das erklärt die Fülle an Gewürzen, die in beinahe jedem Gericht des riesigen Subkontinentes auftauchen. Die Kunst ist es, alles zu einer schmackhaften Kombination zu vereinen. Im Chicken Saag kommt vor allem Kardamom zum Einsatz, dieser gilt als antiseptisch und schmeckt leicht herb. Kurkuma ist ein weiteres Gewürz, das auf gar keinen Fall im Chicken Saag fehlen darf. Es verleiht dem Gericht eine würzige und bittere Note. Die süße Kategorie wird vom Koriander bedient, und Zwiebel/Knoblauchpaste verleiht dem Chicken Saag ein leicht scharfes, salziges Aroma. Ein wenig Säure ist in den frischen Spinatblättern enthalten. Und durch ein paar Blätter Zitronenmelisse und ein wenig Pfefferminze habe ich dem Gericht noch ein wenig ätherische Frische zugefügt.  

Und noch ein paar Worte zum Kardamom

Ich zitiere aus der Zeitschrift Natur & Heilen, ein Auszug aus dem Artikel ‚Gewürze des Lebens‘: „Der Kardamom (Elettaria cardamomum) zählte mit Safran zu den teuersten Gewürzen. Er galt von alters her als Aphrodisiakum, allein sein Duft ist betörend. Männer sollten bei Samenschwäche die Kardamomsamen mit etwas Ghee (reines Butterfett) und einer Prise Asafoetida (gepulvertes Harz aus stark riechenden Pflanzen, auch Teufelsdreck oder Stinkasant genannt) einnehmen. Kardamom bindet sogar das Koffein im Kaffee, sodass er bekömmlicher wird – so gibt man mit Zimt, Nelken und Sternanis und einer Prise Kardamom jedem Kaffee eine besondere Note. Gegen nervöse Verdauungsbeschwerden bei Kindern werden Kardamom- und Fenchelsamen gemischt, sie kommen ebenso gegen Erbrechen oder Aufstoßen zur Anwendung. Für einen Tee zerstößt man jeweils einen Teelöffel Kardamom- und Fenchelsamen und überbrüht sie mit einer Tasse heißen Wassers. Nach sieben Minuten Ziehzeit trinkt man schluckweise den abgeseihten Tee. Bei Verdauungsbeschwerden täglich zwei Tassen trinken. Auch gegen Erkältungen, Bronchitis und Asthma hat sich Kardamom bestens bewährt.

Na? Alles klar 😉

Zur MELISSE

Melissa officinalis L.
Lamiaceae (Familie der Lippenblütler)
Arzneidroge: Melissae folium (Ph. Eur.)

Wie ein sanftes Ruhekissen wirkt der Tee von den Melissen. Stärket Nerven, Herz und Magen, hilft bei vielen Frauenplagen. Fördert auch den Schlaf ganz herrlich, kurzum: Macht sich unentbehrlich. (Autor: unbekannt)

Die Zitronenmelisse, eines der ältesten und bekanntesten Heilkräuter in vielen Kloster- und Hausgärten. Ein duftender Lippenblütler, reich an ätherischen Ölen. Beim Zerreiben der Blätter entströmt ihr ein intensiver zitronenähnlicher Duft. Die Melisse enthält ein wertvolles Öl, das nur in geringen Mengen in ihr vorkommt und mehrere tausend Euro pro Kilogramm kostet. Als klösterlicher Melissengeist wird es auch heute noch verkauft gegen innere Unruhe und Magen-Darm Beschwerden. Ihre ätherischen Öle Citral und Citronellal, deren Namen schon auf den zitronenartigen Duft hindeuten, sind nicht nur in Zitronen, sondern auch in Zitronengras, Basilikum, Ingwer und sogar Möhren enthalten ist.

In den Gärten wird sie lange schon als Gewürz- und Heilpflanze angebaut. Bei uns nicht ursprünglich heimisch, ist sie mittlerweile auch nach draußen verwildert und siedelt sich dort an, wo sie sich vom Klima her wohlfühlt. Sie vermehrt sich über kurze Bodenausläufer, was bedeutet, dass man sie im Kräuterbeet gut im Zaum halten muss, das sie sich [mehr dazu]

Wie beim Chicken Saag – da steckt eine Menge Energie drin!

Ah ja und die Musik dazu: amon düül – halluzination guillotine

Bilder alle (c) Ute Mangold, außer, wenn anders angegeben

3 Antworten auf „CHICKEN SAAG mit frischem SPINAT, MINZE- und ein wenig Ayurveda“

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