BALDRIAN (Valeriana officinalis) – fit am Tag, stark für die Nacht


Im Lorscher Arzneibuch, dem ältesten schriftlichen Zeugnis der Klostermedizin, das in der Zeit der Karolinger entstand, steht geschrieben: „Allzu viel Schlaf gleicht das Mittel mit Wachen aus, bei übermäßiger Schlaflosigkeit sorgt es für den entsprechenden Schlaf, es befreit von Erschöpfung, nimmt die Trägheit […]„

Interessant ist, dass Baldrian tagsüber die Konzentration und Wachheit fördert, z.B. in Stresssituationen oder bei Prüfungsangst. Seine Indikationen sind Konzentrations-schwierigkeiten und Nervosität. Zur Nacht bringt er das Gedankenkarussell zum Stillstehen und wirkt schlafanstoßend. So unterschiedlich das klingt, gemeinsam ist diesen beiden Wirkungsweisen die Erdung und Zentrierung – die Energie des „bei-sich-Bleibens“ (Cornelia Stern, Helga Ell-Beiser, Phytotherapie). Wie bei vielen pflanzlichen Mitteln tritt seine Schlafförderung allmählich ein und kommt erst nach fünf bis 14 Tagen zum Tragen. Dann aber sanft und nachhaltig.

Abends eingenommen kann er bei Schlafproblemen unterstützen. Schon in mittelalterlichen Kräuterbüchern ist er als Kräftigungsmittel zu finden, z. B. gegen Erschöpfung durch geistiges Arbeiten: Die Wirkstoffe beeinflussen u. a. die Verstoffwechslung zahlreicher Botenstoffe des Gehirns – darunter auch Dopamin, das u. a. beim Lernen, Denken und Verstehen eine wichtige Rolle spielt.

Studien legen zudem nahe, dass Baldrian beruhigende und angstlösende Effekte hat. Wer beispielsweise Angst vor einer Prüfung hat oder in Stresssituationen nervös und unruhig ist, kann ein Baldrianpräparat nehmen (Immer in Absprache mit dem Arzt). Interessant ist, dass Baldrian tagsüber zwar beruhigt, aber man sich keine Sorgen machen muss, dass man einschläft, auch wenn der Beipackzettel zur Vorsicht mahnt. Baldrian kann tagsüber sogar aufmunternd wirken.

Baldrian in Kombination mit Melisse, Passionsblume und Lavendel

Meist wird er kombiniert mit Melisse und Passionsblume, und hilft so auch gegen Unruhe und Angst. Mit Hopfen zusammen hilft er abends beim Ein- und Durchschlafen und tagsüber als Tinktur für (gegen) Prüfungsstress. Hier ohne Hopfen, denn der wirkt sedierend. Wichtig ist, dass eine Schlafförderung allmählich eintritt und so erst nach fünf bis 14 Tagen zum Tragen kommt. Also nicht enttäuscht sein, wenn er nicht sofort wirkt. Und seine Wurzel riecht für Katzen unwiderstehlich! Ätherische Öle, Valepotriate und Actinidin sind seine geheimen (Duft-)Stoffe.

Was ist eigentlich genau der Unterschied zwischen Baldrian und Lavendel, über den ich in einem der vorherigen Blogbeitrag geschrieben habe? Beide beruhigen und entspannen? Und sind doch so unterschiedliche Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Wirkstoffen. Lavendel (Lavandula) ist eine duftende Pflanze, die in verschiedenen Sorten vorkommt, darunter der bekannteste Lavendel (Lavandula angustifolia). Lavendel ist für seine blauen oder violetten Blüten und seinen charakteristischen Duft bekannt. Lavendel wird häufig für seine beruhigenden und entspannenden Eigenschaften verwendet.

Baldrian – gegen Prüfungsangst ist ein Kraut gewachsen

Studien legen nahe, dass Baldrian neben den beruhigenden und angstlösenden Effekte, die beim Einschlafen helfen, auch bei Prüfungsangst förderlich sind. Auch, wer in Stresssituationen nervös und unruhig ist, kann ein Baldrianpräparat nehmen. Immer in Absprache mit dem Arzt. Interessant ist, dass Baldrian tagsüber zwar beruhigt, aber man sich keine Sorgen machen muss, dass man einschläft, auch wenn der Beipackzettel zur Vorsicht mahnt. Baldrian kann tagsüber sogar aufmunternd wirken.

Was viele nicht wissen und Baldrian deshalb enttäuscht wieder weglegen, da es „nicht gewirkt hat“. Wie schon erwähnt verbessert er den Schlaf meist nicht nach der ersten Einnahme. Oft sind mindestens zwei Wochen nötig, bis sich die Effekte bemerkbar machen. Dafür hat er wie viele pflanzliche Mittel keine Nebenwirkungen – und vor allem: im Gegensatz zu vielen chemischen Schlafmitteln ist man tagsüber nicht müde!
Ein einzelner Wirkstoff, der schlaffördernd wirkt, wurde bei Baldrian nicht gefunden. Man geht davon aus, dass das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe synergistisch wirkt.

Kulturgeschichte des Baldrians

Baldrian taucht auch zusammen mit Bibernelle als geweissagtes Heilmittel in vielen Pestsagen auf:

„Esst Bibernellen und Baldrian so geht euch die Pest nicht an“

Der botanische Gattungsname Valeriana stammt vom lateinischen Wort valens für kräftig. Vermutlich, genau weiß man es nicht. Der deutsche Name Baldrian ist eventuell volksetymologisch angelehnt an den Namen des nordischen Lichtgottes Balder. Im Volksmund heißt der Gemeine Baldrian auch Katzenkraut, Stinkwurz, Hexenkraut, Augenwurzel, Mondwurz, Bullerjan, Tolljan, Katzenwargel, Theriakswurz und Denmark sowie Dennenmark.

Die Ärzte der europäischen Antike – Dioskurides, Plinius und Galen – berichteten über vier Pflanzen mit dem Namen nardus („Indische Narde“ – „Syrische Narde“ – „Keltische Narde“ – „Berg-Narde“) und über eine ähnlich wie diese „Narden“ wirkende Pflanze mit dem Namen „phu“. Wegen ihres Wohlgeruchs waren sie insbesondere als Zutaten zu Salben und als Teil der Theriak-Zubereitungen in Gebrauch. Auch wurde ihnen zugeschrieben, dass sie erwärmend und urintreibend wirken, die Monatsblutung befördern und Seitenstechen beseitigen. Über die Medizin im arabischen und lateinischen Mittelalter erreichte diese Tradition die Ärzte des europäischen Nordens. Pflanzen mit den Namen „Narde“ und „phu“ wurden von den Vätern der Botanik als Echter Baldrian („phu“) oder als zur Gattung Valeriana gehörig („Narde“) gedeutet. Das „phu“ deuteten sie als den gemeinen Baldrian, wobei Hieronymus Bock (1539) zwischen einem großen Baldrian (Valeriana phu L.) und einem gemeinen, kleinen Baldrian (Valeriana officinalis L.) unterschied. Bock erwähnte auch noch Valeriana dioica L. als kleinste Baldrian-Art. Quelle: wikipedia

Botanisches zum BAldrian

Echter Baldrian, auch Arzneibaldrian oder Großer Baldrian (Valeriana officinalis), oft auch nur Baldrian genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Baldriane (Valeriana) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Nahe Verwandte vom Echten Baldrian sind der Echte Speik und der Weidenblättrige Baldrian.

Er ist eine mehrjährige Pflanze mit kleinen, unscheinbaren Blüten, die in der Regel weiß oder blassrosa sind. Baldrian wächst bei uns nahezu überall, häufig an Gewässern oder auf feuchten Böden, und es gibt unzählige Arten dieses Helfers. Der Echte Baldrian kommt in weiten Teilen Europas (außer Portugal) und Westasien vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich weiter ostwärts bis Sibirien und Russlands Fernem Osten, Korea, China, Taiwan und Japan.

Baldrian ist frostbeständig und gedeiht in Sonne oder Halbschatten in fast jedem Boden. Als Feuchtbodenpflanze verträgt er auch gelegentliche Überschwemmungen und kommt daher in der freien Natur häufig auf Wiesen entlang von Gewässerläufen vor.

Zur Familie der Baldriangewächse (Valerianaceae) gehören weltweit etwa acht Gattungen mit rund 350 Arten. Zu den bekannteren Pflanzen der Baldrianfamilie gehören der Echte Speik (V. celtica), der bei den Kelten als hervorragendes Magen- und Lebermittel galt (Marcellus Empiricus), sie verwendeten die Wurzeln auch als Räuchermittel. Die in Gärten beliebte Rote Spornblume (Centranthus ruber), die auch Roter Baldrian genannt wird, gehört ebenfalls dazu. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum und ist dem trockener und heißer werdenden Klima auch hier besser angepasst. Auch der Feldsalat (Valerianella locusta), auch Nüssler oder Rapunzel genannt, ist ein naher Verwandter des Baldrians.

Baldrian und Feldsalat – eng verwandt und doch ganz anders

Hat Feldsalat vielleicht auch beruhigende Eigenschaften? Schließlich ist es nicht so ungewöhnlich, dass unsere Nahrungspflanzen auch Heilpflanzen sein können – man denke nur an Tomaten, Chili, Karotten, Kraut und Kohl, sowie viele Kräuter und Gewürze. Im Feldsalat sind zwar viele bioaktive Stoffe enthalten, wie Vitamin C, Carotinoide, Phenole, Folsäure, Sterine und Omega-3-Fettsäuren. Doch von den berühmten Inhaltsstoffen, u.a. den Valepotriaten oder Lignanen des Baldrians sind bei ihm keine erwähnt. Im Baldrian befinden sich diese ja vornehmlich in der Wurzel. Doch das frische Grün des Baldrians, die gefiederten und gezähnten Blättchen, erinnern an Feldsalat und können so wie sein Verwandter der Feldsalat (Valerianella spec. – Kleiner Baldrian) in Salaten mitgegessen werden. In den Blättchen befinden sich jedoch kaum „beruhigende“ Inhaltsstoffe, die sind hauptsächlich in der Baldrianwurzel zu finden. Die Blüten sollen ebenfalls genießbar sein, habe ich jedoch noch nicht probiert. Manche mögen den süßlichen anemonenartigen Duft, ich finde ihn seltsam.

Die Wirkstoffe sind in der Wurzel

Unterirdisch verfügt der Baldrian über ein weit verzweigtes Rhizom, über das er sich vegetativ über Ausläufer vermehren kann.
Wenn man die Wurzel trocknet, strömt der typische Baldriangeruch aus. Ein balsamisch, feucht-erdiger Geruch, den vor allem Katzen anziehend finden. Manche Menschen empfinden ihn als ranzigen Geruch wie alter Käse. Andere dagegen empfinden ihn nicht als abstoßend. Er ist so durchdringend, dass die Legende überliefert, der Rattenfänger von Hameln habe Baldrian bei sich getragen, um die Ratten anzulocken. Und doch wird Baldrian auch in der Parfümindustrie eingesetzt – es können damit moschusähnlich-holzige, balsamische Gerüche erzielt werden.

Als Arznei wirksam sind eben diese Baldrian-Wurzeln. Sie bestehen unter anderem aus ätherischem Öl, das sich aus Monoterpenen wie Borneol und Kampfer, sowie Sesquiterpenen wie ß-Bisabolen zusammensetzt. Daneben sind Iridoide enthalten, die sogenannten Valepotriate, vor allem der Inhaltsstoff Valtrat und dessen Abbauprodukt Baldrinal. Isovaleriansäure ist für den charakteristischen Geruch verantwortlich. In geringen Mengen finden sich auch Lignane in den Wurzeln.

Baldrian enthält unter anderem ätherisches Öl (neben Valerensäure unter anderem auch die Isovaleriansäure, die für den charakteristischen Geruch des Wurzelstocks verantwortlich ist), Valepotriate und Alkaloide. Das Flavonoid Linarin hat sedierende Wirkung und ist mit für die Hauptwirkung auf den Menschen verantwortlich.
Das Alkaloid Actinidin ist der Grund, weshalb Baldrian ein Lockstoff für Katzen ist, ähnlich wie Katzenminze.

Die Wirkstoffe sind je nach Herkunft unterschiedlich zusammengesetzte ätherische Öle mit Bornylacetat und Bornylisovalerianat als Hauptkomponenten. Diese sind auch verantwortlich für den typischen Baldriangeruch, der beim Trocknen der Droge auftritt. Weil dieser Geruch dem Lockduft läufiger Katzen ähnelt, werden Kater davon angelockt. Weitere Inhaltsstoffe sind Valeranon, Caryophyllen, Camphen und weitere Mono- und Sesquiterpene, Sesquiterpencarbonsäuren wie die Valerensäuren, Valepotriate (Iridoide) mit Valtrat und Isovaltrat. Wegen der Instabilität dieser Verbindungen sind in Extrakten und Tinkturen z. T. nur deren Abbauprodukte, die sogenannten Baldrinale, nachweisbar. Auch Aminosäuren und in geringer Menge Lignane und Pyridinalkaloide wurden als Inhaltsstoffe gefunden.

Pharmakologie und Verwendung des Baldrians

Als pharmazeutische Droge dienen die getrockneten unterirdischen Pflanzenteile. Die Baldrianwurzel (Valerianae radix oder Radix Valerianae) ist eines der bekanntesten pflanzlichen Beruhigungsmittel. Nachgesagt wird ihr unter anderem eine Wirksamkeit bei Unruhe- und Angstzuständen, Schlafstörungen, nervös bedingten Herzbeschwerden und krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Am häufigsten kommt der Arznei-Baldrian als Trockenextrakt zum Einsatz. Auch als Badezusatz soll Baldrian beruhigend wirken. Wissenschaftliche Belege für viele dieser Wirkungen fehlen jedoch. So ist unklar, ob Baldrian-Präparate bei Schlafstörungen helfen oder Angstzustände lindern können.

Die Kombination macht’s

Ein einzelner „beruhigender“ Stoff konnte nicht gefunden werden, so geht man davon aus, dass das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe für die bekannten Effekte des Baldrians verantwortlich sind.

Wolf-Dieter Storl, zitiert den bekannten Universitätsprofessor und Gründer der systematischen Phytotherapie Rudolf Fritz Weiß (1895-1991) folgendermaßen: „So hat sich der Baldrian geradezu als Musterbeispiel dafür erwiesen, dass kein einzelner Wirkstoff zu finden ist, sondern dass erst das Zusammenwirken verschiedener Stoffe den therapeutischen Effekt gibt“.

Laborexperimente zeigen, dass die wirksamen Substanzen mit speziellen Botenstoffen und schlaffördernden Substanzen im Gehirn interagieren. Baldrian scheint sich auf diese Weise positiv auf den Schlaf auszuwirken. Auszüge aus der Pflanze erleichtern das Einschlafen und verbessern wohl auch das Durchschlafvermögen. Besonders bei leichten Schlafstörungen gehört Baldrian zu den beliebtesten pflanzlichen Mitteln. Häufig wird er mit ähnlich wirkenden Heilkräutern kombiniert, etwa Melisse, Passionsblume oder Hopfen.

Zwar konnte den geschilderten Heilwirkungen bisher keine Einzelsubstanz zugeordnet werden, es gibt allerdings Hinweise, dass die Lignane mitverantwortlich für die schlaffördernde Wirkung des Baldrians sind. Diese auch als Schlaflignane bezeichneten Olivilverbindungen setzen an den gleichen Rezeptoren im Gehirn (Adenosin-A1-Rezeptoren) an wie das körpereigene Adenosin. Vergleichbar wie Adenosin fördern die Lignane den Schlaf, sie wirken wie ein pflanzliches Adenosin.

In vielen Fertigarzneimitteln wird die Baldrianwurzel auch mit anderen Drogen kombiniert, für die eine beruhigende Wirkung vermutet wird z. B. mit Hopfen, Melisse, Passionsblume (offizinell ist Passiflora incarnata), Frauenmantel und Wacholderbeere. Auch Kombinationspräparate von Johanniskraut, Passionsblume und Baldrian werden angeboten. Eine Studie über die Wirkung der kombinierten Einnahme mit Extrakt aus Echtem Johanniskraut kam zu dem Ergebnis, dass dessen Eigenschaft der Wiederaufnahmehemmung für Serotonin gesteigert wurde.

Bei der Kombination von Baldrian mit Hopfen ergänzen sich die schlaffördernden Wirkungen ähnlich der körpereigenen Schlafregulatoren Adenosin und Melatonin, denn Hopfen zeigt eine ähnliche Wirkung wie das körpereigene schlafinduzierende Melatonin. In Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass Hopfenbestandteile an den Melatonin-Rezeptoren binden und dadurch ebenfalls schlafeinleitende Effekte wie z. B. eine Senkung der Körpertemperatur bewirken („pflanzliches Melatonin“).

Baldrian in der Phytotherapie

Das HMPC hat Baldrianwurzel in Form von Trockenextrakten (DEV 3-7,4:1, Auszugsmittel Ethanol 40 – 70 %) zur Behand­lung einer leichten nervösen Anspannung und zur Behandlung von Schlafstörungen als „medizinisch anerkannt“ („well-established use“) akzeptiert. Außerdem hat es auch zwei Kombinationen von Baldrianwurzel und Hopfen­zapfen in Form von Trockenextrakten zur Besserung von Schlafstörungen als „medizinisch anerkannt“ („well-established use“) akzeptiert; siehe auch „Traditionelle Anwendung“.
ESCOP: zur Linderung leichter nervöser Anspannung und/oder Einschlafstörungen.
Kommission E: Unruhezustände, nervös bedingte Einschlafstörungen.

Im Biodynamischen Weinbau wird Baldrian übrigens als wärmendes Mittel besonders bei Frostschäden eingesetzt. Vor Jahren habe ich dazu im Zuge eines Vortrags für den Arbeitskreis Ökologie des Verbands deutscher Prädikatsweingüter (VDP) einen Artikel in meinem Blog verfasst. Der Mond, das Kuhhorn und der Baldrian.

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