Die KNOBLAUCHSRAUKE – eine feine Alternative zum Bärlauch

Die Knoblauchsrauke ist eine echte Alternative zum Bärlauch. Feinwürzig und gesund wächst sie am Waldrand, in Gegenden, wo der Bärlauch nicht wächst. Ihren zarten Knoblauchduft entfaltet sie beim Vorbeistreichen, er ähnelt dem des Bärlauches, mit dem sie aber nicht verwandt ist. Sie gehört zu den Kohlgewächsen. Wie diese enthält sie Senfölglykoside, die ein ätherisches Öl freisetzen, das wie Knoblauch riecht, aber viel feiner ist. Sie ist sehr gesund, im Mittelalter galt sie sogar als Heilpflanze. Trocknen lässt sie sich zwar nicht, aber ihre Wurzeln können wie Kren (Meerrettich) verwendet werden.

Die zarte Knoblauchsrauke mit ihren nierenförmigen gekerbten Blättern bevorzugt den kühlen Halbschatten des Waldrandes. Dort wächst sie oft unscheinbar am Wegesrand und fällt dem Wanderer erst auf, wenn er sie streift und sie ihren Knoblauchduft verströmt.

Nach dem Scharbockskraut ist sie eins der Kräuter, die im Frühjahr zum ersten essbaren Grün aus der Natur gehören. Sie ist die kleine Schwester vom Bärlauch, zumindest vom Aroma her. Doch ist sie mit ihm botanisch so gar nicht verwandt, sie gehört zu einer ganz anderen Pflanzenfamilie. Ihre lateinische Bezeichnung Alliaria petiolata deutet zwar auf die große Familie der Lauchgewächse (Alliaceae) hin, und auch ihre deutschen Namen wie Lauchhederich und Knoblauchskraut, doch diese Bezeichnungen beziehen sich nur auf ihren knoblauchartigen Duft. Und dieser stammt von einem Senfölglykosid, das chemisch gesehen nicht dem für den typischen Knoblauchduft verantwortlichen Alliin ähnlich ist.

Die Senfölglykoside und die kreuzförmig angeordneten vier Blütenblätter der Knoblauchsrauke weisen auf die große Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae) hin, zu denen auch die Kohlarten gehören.

Hier findet man die Knoblauchsrauke

Die zarte Knoblauchsrauke wächst gerne im Halbschatten an Waldrändern, Gebüschen und entlang von Waldwegen auf lockeren, nährstoffreichen, leicht feuchten Lehmböden. Man findet sie auch in Gebüschen, an Zäunen sowie in verwilderten oder naturnahen Gärten. Wo sie sich wohlfühlt, ist sie sehr gesellig.  Sie ist echte Alternative zum Bärlauch, der ganz andere Standortansprüche hat und nicht überall zu finden ist. Sie wächst und blüht von April bis Mai, je nach Lage auch bis in den Sommer hinein. Neben den kresseähnlichen Wiesenschaumkraut ist sie eine wichtige Nahrungspflanze für den Aurorafalter.

Mit ihren allelopathisch wirkenden Inhaltsstoffen wirkt sie dem Aufkommen von Gehölz in ihrer Umgebung entgegen. Bei Untersuchungen an der Knoblauchsrauke stießen Forschende auf einen neuen Mechanismus, der sogar die Vermehrung von Bäumen bremsen kann. Sie sondert chemische Substanzen ab, die Pilze im Boden unterdrücken bzw. schädigen.

Botanisch gesehen ist Knoblauchsrauke eine bis zu einem Meter hohe, zweijährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler. Sie ist dem Senf ähnlich mit kleinen weißen Blüten und aufrechten Schoten. Der Stängel ist aufrecht, meist einfach und kantig gestreift. Die Blätter sitzen wechselständig am Stängel. Sie sind ungeteilt, gestielt, herzförmig und grobgezähnt. Bei Massenauftreten ist der typische knoblauchartige Geruch wahrnehmbar, der auch beim Zerreiben der Blätter entsteht. Namensgebend für die Art. Die mit den Kohlarten verwandte Knoblauchsrauke lässt sich auch im Garten kultivieren.

Knoblauchsrauke in der Medizin

Die Knoblauchsrauke enthält das Senfölglykosid Sinigrin, das unter anderem auch im Schwarzen Senf sowie im Meerrettich enthalten ist. Es setzt ein ätherisches Öl frei, welches denen der wilden und kultivierten Laucharten ähnelt. Dazu enthält sie noch geringe Mengen herzwirksamer Glykoside, ätherische Öle wie Senföl und Knoblauchöl, viel Vitamin A und Vitamin C sowie Mineralstoffe. Der scharfe Geschmack ist auf die ätherischen Öle und das Sinigrin zurückzuführen.

Ihre Inhaltsstoffe haben eine antibakterielle, wundreinigende und antibiotische Wirkung. Sie eignen sich zum Beispiel zum Desinfizieren von Wunden. Früher wurde sie zu Heilzwecken verwendet. Neben ihrem antiseptischen Effekt wirkt sie leicht harntreibend und schleimlösend. Man sagt ihr darüber hinaus auch antiasthmatische Eigenschaften nach. In der Volksmedizin wurden aus den Blättern Breiumschläge zur Behandlung von Insektenstichen und Wurmerkrankungen hergestellt. In der evidenzbasierten Medizin wird die Knoblauchsrauke bisher nicht verwendet. Grund ist, dass die Inhaltsstoffe bisher noch wenig untersucht sind und eine Wirksamkeit bisher noch nicht belegt wurde.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war sie für die ärmeren Bevölkerungsschichten, die sich keine teuren Gewürze leisten konnten, eine wertvolle Pflanze zum Würzen von Speisen. In den antiken Schriften ist nicht viel über sie zu finden, doch taucht sie spätestens in den Kräuterbüchern der Renaissance auf. Phytolithe, mikroskopisch kleine Siliziumkristalle, die an Scherben von Tontöpfen aus Neustadt in Holstein an der Ostsee und Stenø in Dänemark zeigen, dass die Knoblauchsrauke schon vor 4000 v. Chr. im Mesolithikum als Gewürz benutzt wurde. Damit gilt die Knoblauchsrauke als eines der ältesten bekannten einheimischen Gewürzpflanzen.

Die Knoblauchsrauke in der Wildkräuterküche

Die Blätter der Knoblauchsrauke haben einen knoblauch-senfartigen aromatischen Geschmack. Während diese gekocht und gedünstet werden können, sollte die Knoblauchsrauke nur frisch verwendet werden. Auch zum Trocknen eignet sie sich nicht, da ihr Knoblaucharoma leicht flüchtig ist. Als grünes Küchengewürz eignet sie sich zu Salaten, Gemüse, Suppen, Kräuterbutter, Aufstrichen und auch zu Sandwiches, in Quark oder aufs Butterbrot macht sie sich gut. In der Salatsoße ist sie nicht so streng wie der Knoblauch oder der Bärlauch. Die zerdrückten Samen aus den reifen Schoten können wie Senf verwendet werden. Aus den Blättern lässt sich auch eine würzige Wildkräuterpaste oder Pesto herstellen. Die Blüten sind ebenfalls essbar und eine würzige Dekoration. Die senfähnlichen Samen können als Frischgewürz verwendet werden. Ihre Wurzeln lassen sich als Ersatz für Meerrettich bzw. Kren verwenden.

Rezept

Pesto mit Knoblauchsrauke 

Zutaten:
etwa 100 g gemischte Wildkräuter:
Knoblauchsrauke,
Vogelmiere,
Giersch und
Brennnessel (nur die jungen zartgrünen Blätter verwenden)
1 EL geröstete Sonnenblumenkerne
50 g geriebener Parmesan
1 Knoblauchzehe
100 ml Olivenöl extra vergine
1 TL Meersalz Saft einer halben Limette
und ein wenig brauner Zucker oder Honig, das mildert die leichte Bitterkeit der Wildkräuter

Zubereitung:
Alle Zutaten in die Küchenmaschine geben. Zerkleinern, bis nur noch kleine Stücke vorhanden sind. Falls das Pesto zu trocken ist, mehr Öl dazugeben.
Mit Zucker und Limettensaft abschmecken und gegebenenfalls nachsalzen.

Dieser Artikel erschien in der März Ausgabe von Obst & Garten im Ulmer Verlag

https://www.obst-und-garten.de/themen/gartengestaltung-lifestyle/article-7853984-205126/knoblauchsrauke-.html

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