NIGERIA –  Egusi Soup und wilde Blätter in der Küche

Ich war ja eigentlich auf der Suche nach einen typischen Rezept aus Nigeria für das Blogevent „Die kulinarische Weltreise“ – und nun bin ich schon seit Wochen unterwegs. Ich recherchierte in Videos typische nigerianische Speisen, lernte was über die Völker der Yoruba, Hausa und Igbo. Über Speisen mit tollen Namen wie Jollof, Egusi, Suya, Fufu und Moi Mo – und als ich zum ersten Mal von UZIA, UTAZI und OKAZI hörte, war es um mich geschehen: Diese wilden Blätter klangen wie Zauberpflanzen aus einer exotischen Welt. Zarte, pfeffrige Blätter, die an tropischen Lianen wachsen. Und ich ließ mich von Flo Chinyere in einem Youtube-Video mitnehmen auf eine Reise in den Garten ihrer nigerianischen Mutter, auf die bunten Märkte von Lagos und in die Küchen eines der größten und faszinierendsten Länder Afrikas. Ein Land, von dem wir nichts Genaues wissen, nur dass vor Reisen nach Nigeria gewarnt wird.

Und so reise ich weiter virtuell mit den Youtuberinnen, ich tauche ein in ein wunderschönes Buch von Lopé Ariyo mit dem Titel Hibiskus – Einfach köstlich nigerianisch kochen. Suche im Internet nach den exotischen Zutaten der Rezepte. Reise schließlich physisch nach Karlsruhe in einen afrikanischen Laden – und werde fündig: Vom afrikanischen Wels über Okazi Blätter, Gewürze und Palmöl bis hin zu den Melonenkernen alles da! Ein kleiner afrikanischer Laden in einer badischen Großstadt. Eine kleine Insel im Getümmel der Stadt. Ein kleines Afrika.   

Klein? Da fällt mir „The True Size of Africa” ein. Eine Ausstellung in der Völklinger Hütte – übrigens fantastisch gemacht und absolut empfehlenswert! Gleich am Anfang dieser Ausstellung erfährt der Besucher wie groß Afrika wirklich ist! Es passen von den USA über ganz Euroa, China, Indien und Japan fast alle Länder der Erde in diesen Kontinent! Durch die Verzerrung der Mercator-Projektion (bei der die Weltkugel auf eine flache Ebene projiziert wird) erscheint Grönland fast so groß wie Afrika, weshalb auch unser Weltbild verzerrt ist – dabei ist Afrika tatsächlich 14-mal größer!

Und Nigeria ist fast dreimal so groß wie Deutschland. Es gehört zwar nicht zu nicht zu den größten Ländern Afrikas, aber es ist eines der bevölkerungsreichsten und einflussreichsten Länder des Kontinents. Westlich grenzt Nigeria an den Atlantik, ringsum liegen Benin, Niger, Tschad und Kamerun. Nigeria ist ein Land, das mit über 200 Millionen Menschen, unzähligen Sprachen und einer enormen kulinarischen Vielfalt ein eigenes Universum bildet. Ein Land, das so groß ist, dass man erahnen kann, dass sich Nigeria nicht nur auf Lagos und die neue Hauptstadt Abuja beschränkt.

Die nigerianische Küche

Nigeria ist ein Schmelztiegel verschiedener Völker: die Yoruba, die Igbo, die Hausa und viele weitere Völker mit eigenen Sprachen, Kulturen und Küchen. Jede Region hat ihre Spezialitäten – die Afang-Suppe der Ibibio, die Nsala-Suppe der Igbo oder die Egusi-Suppe der Yoruba. Die nigerianische Küche ist kräftig, aromatisch und vielseitig. Sie lebt von Chilis, Palmöl, Yams und Wildspinat. Kulinarisch wird die Vielfalt Nigerias auf jedem Teller sichtbar.

Einige Highlights:
– Afang-Suppe: traditionell mit Okazi-Blättern, ursprünglich aus dem Südosten Nigerias.
– Nsala-Suppe (Weiße Suppe): aus dem Osten, mit Wels und Utazi-Blättern, schmeckt einzigartig.
– Egusi-Suppe: dick, cremig, aus gemahlenen Melonen- oder Kürbiskernen, rotem Palmöl, Fleisch, Spinat und oft Stockfisch. Egusi gilt als Nationalgericht und wird mit Yams, Garri oder Reis serviert.

Da ich die Melonenkerne (die eigentlich keine Melonenkerne sind, sondern proteinreiche, weißlichenSamen bestimmter Kürbisgewächse) im Laden bekommen habe und getrocknetes Okazi Kraut bei MammaT, habe ich mich für Egusi-Suppe entschieden, schließlich gilt sie als das köstliche Nationalgericht Nigerias. Für das Fleisch nahm ich gemischten Gulasch. Es kann auch weggelassen werden und die Afangblätter „Okazi“ durch Spinat ersetzt werden (hat dann halt einen anderen Geschmack).

Aus den Lautsprechern fließt Sade’s samtige Stimme und dazu laufen noch 30 Varianten von „Mama Africa“ – und ich fange an zu kochen.

Egusi Soup mit Rindergulasch und Okazi-Blättern

Diese Variante der klassischen nigerianischen Egusi Soup verwendet Rindergulasch als herzhafte Fleischbasis. Die Suppe kombiniert gemahlene Melonenkerne (Egusi) mit Palmöl, getrockneten Afang-Blättern (Okazi) und frischem Blattgemüse (meine Empfehlung junger Spinat). Heraus kommt ein Gericht mit ungewöhnlichem und kräftigem Geschmack „Umami“ und afrikanischer Seele.

Zutaten (für 4 Portionen)

Fleisch:

500 g Rindergulasch (z. B. aus der Keule oder Schulter)

1 mittelgroße Zwiebel, grob gehackt

1 TL Ingwer, frisch gerieben oder gemahlen

1-3 Birdeye Chili (je nach Größe und Schärfewunsch)

1 EL gekörnte Brühe

Salz, 8-10 schwarze Pfefferkörner

Egusi-Basis:

150 g Melonen (Egusikerne), ungesalzen, gemahlen

1 Zwiebel

2 Zehen Knoblauch

½ TL Chilipulver (Kashmiri Mirch)

2–3 EL Palmöl (oder rotes Kokosöl)

– ½ TL Shrimpspaste oder Fischsauce (1–2 TL, nach Geschmack)

– 1 EL Tomatenmark (optional)

🌿 Gemüse:

– 30–40 g getrocknete Afang-Blätter (Okazi), eingeweicht und fein gehackt

– 200–300 g frischer Spinat

Zubereitung

1. Rindergulasch mit Zwiebel, Ingwer, Chili, Brühwürfeln und Wasser in einem Topf ca. 45 Minuten weichkochen. Brühe aufbewahren. (Typisch nigerianisch: nicht anbraten!)

2. Afang (Okazi)-Blätter in heißem Wasser 30 Minuten einweichen, dann fein hacken oder mixen.

3. Melonenkerne mahlen und mit etwa 400 ml Wasser verrühren. (Die Kerne quellen auf und die Masse wird zu einem dicken Brei)

4. Zwiebeln mit Knoblauch, Ingwer und Chili zu einer Paste verrühren.

5. Palmöl in einem Topf erhitzen, Zwiebelpaste und Tomatenmark anbraten. Fischsauce zugeben und nicht mitrösten, sondern später in die Brühe geben.

6. Melonenkernpaste portionsweise einrühren und 5–8 Minuten unter Rühren anbraten, bis sie krümelig wird.

7. Gekochtes Rindfleisch und Brühe zugeben. Gut verrühren und 5 Minuten köcheln lassen.

7. Afang-Blätter zugeben und ca. 10 Minuten mitkochen.

8. Spinat hacken und zum Schluss untermischen. 3–5 Minuten mit garen.

9. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Chilipulver und ggf. etwas Fischsauce.

Servieren mit Garri (Eba), Pounded Yam, Semovita oder gekochtem Reis.

Tipp zur Dosierung: Bird’s Eye Chilis sind klein, aber sehr scharf (50.000–100.000 Scoville). Fang mit 1 Stück.

Videoausschnitt aus youtube „Utazi, Okazi, Uziza: How to Recognize These Vegetables von Flo Chinyere.

Uziza, Utazi, Okazi – Wilde Blätter voller Geschmack

Was ist das und was ist der Unterschied?
Die Youtuberin Flo Chinyere erklärt uns den Unterschied zwischen den Blättern und wie man sie ausspricht:
– Utazi (U-Ta-zii): bitter
– Okazi (O-Ka-sii): mild, fast geschmacklos, für Afang-Suppe
– Uziza (U-Zi-Za!): würzig, pfeffrig, für Egusi-Suppe, auch „false cubeb“

Botanik: Die Pflanzen hinter den Blättern

Utazi (Gongronema latifolium): bitter, verdauungsfördernd.
Okazi/Afang (Gnetum africanum): mild, spinatartig.
Uziza (Piper guineense): pfeffrig, intensiv.
Diese Pflanzen sind nicht nur kulinarisch spannend, sondern auch botanisch faszinierend: Uziza gehört zu den Nacktsamern – Verwandte der Nadelbäume und Magnolien.

Im Video, als uns Flo mit in den Garten ihrer Mutter nahm, zeigte sie Uziza-Blätter – zarte, ovalförmige Blätter, die an einer Liane wachsen, daneben dunkelgrüne Bitterleaves („Onugbu“), die sie für die beliebte Egusi-Suppe nutzt. Später führt sie uns auf den Markt nach Lagos.

Sade und die Musik Nigerias

Wusstet ihr, dass die Sängerin Sade aus Nigeria stammt? Ihr nigerianischer Name inspirierte ihren Künstlernamen. Sie heißt mit vollem Namen Helen Folasade Adu. Ihr zweiter Vorname Folasade ist Yoruba und bedeutet sinngemäß „Ehre bringt die Krone“ oder „Ehre ist die Krone“. Daraus leitet sich ihr Künstlername Sade ab – es ist die letzte Silbe ihres Vornamens.

Sie wurde 1959 in Ibadan, Nigeria, geboren. Ihr Vater war Nigerianer, ihre Mutter Britin, und sie zog als kleines Kind nach England. Ich liebe ihre Musik – „Smooth Operator“ läuft bei mir, während ich koche. Doch Nigeria ist auch das Land des Afrobeat: Fela Kuti, Burna Boy, Tems – sie alle prägen den Sound des modernen Afrika und erzählen von Stolz, Schmerz und Lebensfreude.

Am Ende dieser kulinarischen Reise stehe ich in meiner Küche, höre Sade, während der exotische Duft von Egusi-Suppe den Raum füllt. Ich denke an Flo Chinyere, ihre Mutter, den Markt in Lagos – und daran, wie Essen und Musik uns verbinden. Vielleicht frage ich Malika, eine meiner Schülerinnen, die aus Nigeria stammt, was sie zuhause kochen. So endet meine kulinarische Weltreise nach Nigeria – und ich freue mich schon auf das nächste Kapitel. Als Kräuter und Blütenliebhaberin möchte ich als nächstes Garnelen mit Hibiskusblüten zubereiten nach dem Buch von Lopé Ariyo.

Mama Africa – eine Huldigung an Miriam Makeba

Hier die Liste der Mitreisenden und ihren tollen Rezepten:

Britta von Brittas Kochbuch mit Jollof Rice

Susanne von magentratzerl mit Augenbohnen in nigerianischer roter Sauce und Fried Bake

Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Chapman

Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Nigerianisches Agege Brot

Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Nigerianischer Salat und Sardinenbutter

Simone von zimtkringel mit Zobo Drink

Friederike von Fliederbaum mit Rindfleischtopf nigerianisch

#diekulinarischeweltreise

8 Antworten auf „NIGERIA –  Egusi Soup und wilde Blätter in der Küche“


  1. Super wie tief Du ins Thema Nigeria eingestiegen bist und uns auf Deine virtuelle, musikalische und kulinarische Reise mitnimmst.

    Vielen Dank!

    Liebe Grüße

    Britta

  2. Super wie tief Du ins Thema Nigeria eingestiegen bist und uns auf Deine virtuelle, musikalische und kulinarische Reise mitnimmst.

    Vielen Dank!

    Liebe Grüße

    Britta

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