HEXENKRAUT – bezaubernde Schönheiten am Waldesrand

„Sie wächst in dunklen feuchten Auwäldern. Im Dunkel des finsteren und feuchten Waldes leuchten die kleinen zartrosa Blüten weithin sichtbar. Hat man früher diese Blüten sehen können, so war das ein sicheres Zeichen, dass man sich tief im Wald verirrt hatte.“

Circea, die Zauberin der griechischen Mythologie

Ihr lateinischer Namen Circea lutetiana geht auf die antike Zirze zurück. Circe oder Kirke war die berüchtigte Zauberin, die in der griechischen Mythologie die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelte. Das Hexenkraut soll ihr gewidmet sein und dient für Zauber und Gegenzauber.

Der Pflanze wurde vor langer Zeit eine psychologische Wirkung zugeschrieben. Sie soll das Selbstwertgefühl steigern, besonders wenn die frischen Blüten einer einzigen Pflanze verwendet werden, entweder direkt von der Pflanze oder als Blütentee. Die Stärkung der Gefühlsebene habe eine erhöhte Sensibilität zur Folge. Frauen, die die Blüten gegessen haben, berichten von einer unerwarteten Anziehungskraft auf Männer.“ So heißt es in Pflanzenwiki. Doch außer Oxalate und hat man keine großen Wirkstoffe in ihr gefunden, bisher.

Das kleine große Hexenkraut

Diese kleine zarte Pflanze, bei der man eine Lupe braucht, um ihre zauberhaften Blüten zu entdecken – wird „Großes Hexenkraut“ (!) genannt. Und sie blüht jetzt! Wenige winzige weiße Blüten an ihr. Zarte Staubfäden ragen aus ihr heraus. Sie wächst im dunklen Wald. Eine Schattenpflanze, die es feucht braucht. Sie ist so unscheinbar und lockt außer Schwebfliegen niemanden an. Sie sind ihre Bestäuber. Bald ist wieder Johannistag verbunden mit der Sommersonnenwende, Um diese Zeit, wenn sich tagsüber die schwüle Hitze wieder breit macht, wir die längsten Tage und kürzesten Nächte auf der Terrasse genießen und bevor abends die Hitzegewitter drohen, da gehen wir besonders gerne in den Wald. Vor den Gewittern, wenn es die Zeit zulässt, noch in der Morgenkühle.

Johannistag, Sommerzeit. Und ich bin wieder im Wald! Diesmal in Gengenbach im Kinzigtal umringt von den Schwarzwaldhöhen und ganz viel schattigen Bäumen und dunklen Wäldern mit vielen Fichten, Douglasien und Tannen gemischt mit Hainbuchen, Eichen und Esskastanien. Und auf meinem Spaziergang in den Wald (jeder Mitwanderer würde mit mir wahnsinnig werden, weil ich alle paar Meter anhalte, um irgend so ein Unkraut zu fotografieren….;-)). Also auf meinem Spaziergang in dem Wald – alleine natürlich – da habe ich mal alles fotografiert, was ich bisher auch so als Botanikerin links liegen gelassen habe. Weil echt schwer zu bestimmten: Gräser. Oder von den Blüten her kaum unterscheidbar: Habichtskräuter. Oder Pflanzen, die nicht blühend schon gar nicht erkennbar sind. Nur für Nerds, oder Menschen, die ihre Standorte genau kennen. Und so ging mir bisher ein Kräutlein, namens Hexenkraut bisher durch die Lappen, das ich dank meines Makroobjektives nun genauer unter die Lupe, im wahrsten Sinne, genommen habe.

Die Pflanze der Zauberer

Über das Hexenkraut als Heilpflanze ist leider nicht viel überliefert, außer dass es wohl sehr wirksam gegen Feigwarzen sein soll. Allerdings war sie im Mittelalter eine große Zauberpflanze. Man sagte dem Hexenkraut große psychoaktive und erotisierende Wirkungen nach. Die Menschen glaubten, dass das Hexenkraut Menschen bezirzen konnte. Die Menschen glaubten auch daran, dass wenn ein Mensch sich im Wald verirrte, er zuerst das Hexenkraut zu sehen bekam. Ab da wusste man, dass man sich verirrt hatte.

Andere Namen für das Hexenkraut sind Gemeines Hexenkraut, Walpurgiskraut, Zauberkraut, Waldklette, Klettenwurz. Bäschkläten (Siebenbürgen), St. Stephanskraut (Schlesien).

Und auf Englisch hat sie den romantischen Namen Broadleaf Enchanter’s Nightshade. Übersetzt heißt das so viel wie der breitblättrige Nachtschatten des Zauberers. Hört hört, also hier keine Hexe, sondern ein Zauberer. Oder vielleicht auch eine Zauberin.

Botanisches zum Hexenkraut

Das Große Hexenkraut (Circaea lutetiana), auch Gewöhnliches Hexenkraut oder Gemeines Hexenkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hexenkräuter (Circaea) in der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae).

Das Große Hexenkraut ist in Europa bis Mittelasien und Sibirien beheimatet und kommt auch in Nordafrika vor. Es siedelt in Wäldern auch in tiefem Schatten und schätzt feuchte und stickstoffhaltige Lehmböden. Es ist in Mitteleuropa eine schwache Kennart des Verbands Alno-Ulmion und kommt auch in anderen Gesellschaften der Ordnung Fagetalia oder des Verbands Alliarion vor.[1] Sie ist ungefährdet und in Deutschland nicht geschützt.

Blütenökologisch handelt es sich um homogame „Nektar führende Scheibenblumen“. Als Bestäuber fungieren vor allem Schwebfliegen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Es erfolgt Klettausbreitung.#

Soll heißen ihre Früchte mit den Samen darin haften wie Kletten an den Waldbesuchern und werden so verbreitet.

Hexenkraut als Zierpflanze im Garten

Selten wird das Große Hexenkraut als Zierpflanze in Gärten verwendet, eine ausgelesene Sorte ist ‘Caveat Emptor’, deren Laubblätter stark rosa gefleckt sind. Meine Vermutung, sie ist wohl eher für Englische Gärten mit vielen schattigen Bereichen geeignet, denn sie braucht tiefen Schatten.

„Hexenfurz und Teufelsdreck“

Weitere „Hexenkräuter“ oder besser Giftkräuter, die ich kenne, sind Nachtschattengewächse wie Hyoscyamus niger, das Schwarze Bilsenkraut, oder die ebenfalls schwarze Tollkirsche (Atropa Belladonna), dazu noch Datura stramonium, der Stechapfel, auch Engelstrompete genannt. Giftig sind vor allem, die in ihnen enthaltene Alkaloide: Atropin, Scopolamin und Hyoscyamin (allein schon die Namen!), mit ihren halluzinogenen psychoaktiven Substanzen sind sie echte Granaten unter den Hexenkräutern. Die Rolle der Datura-Drogen in den europäischen „Hexensalben“ und bei den Gebräuchen der Sinti und Roma wird kontrovers beurteilt.

Mehr dazu in diesem Buch von Marlene und Gerd Haerkötter, das ich mir nach einer beeindruckenden Vorlesung im Botanikstudium an der Uni Hohenheim vor vielen Jahren gekauft habe. Ein Standardwerk! Nachdem ich im Internet wieder danach recherchiert habe, sehe ich, dass es das Buch seit August 2023 in einer neuen Auflage gibt – und habe es mir gerade bestellt (Werbung ohne Auftrag):

HEXENKRÄUTER - Alte Heilpflanzen und ihre Kräfte: Von Hexenfurz bis Teufelsdreck. Von Giftkräutern bis Aphrodisiaka. Botanische und medizinische Fakten. Mit Sammelhinweisen & Anwendungsmöglichkeiten. Broschiert – 30. August 2023. 

Früher wurden sie als Hexen verteufelt: Kräuterkundige, die mit den Wirkungsweisen verschiedenster Pflanzen vertraut waren. Trotz Hexenverfolgung konnte dieses wertvolle Wissen bis heute bewahrt werden. Dieses Buch verknüpft historische, botanische und medizinische Fakten. Es erzählt nicht nur von Hexen und Mythen, sondern liefert auch einen ausführlichen Katalog aller relevanten Pflanzen, die in vornaturwissenschaftlicher Zeit verwendet wurden – sei es zum Kochen, Heilen oder als Aphrodisiaka –, und stellt Sammelhinweise und Anwendungsmöglichkeiten bereit.

Weitere Pflanzen, die wir auf der Wanderung durch den Gengenbacher Wald am Wolfsweg gefunden haben.

3 Antworten auf „HEXENKRAUT – bezaubernde Schönheiten am Waldesrand“

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